Zweiter Bürgerentscheid zur Esslinger Bücherei: Die Bürger haben – wieder einmal – klar entschieden

Am 8. März 2026 haben die Esslinger Bürgerinnen und Bürger zum zweiten Mal über die Zukunft ihrer Stadtbücherei abgestimmt – und erneut ein unmissverständliches Ergebnis geliefert: Mit einer Zweidrittelmehrheit stimmten sie dafür, dass die Bücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleibt und dort modernisiert wird. Der von OB Matthias Klopfer und einer knappen Gemeinderatsmehrheit vorangetriebene Umzug ins frühere Modehaus Kögel wurde damit klar abgelehnt.

Eine Geschichte voller Verzögerungen

Wer die Esslinger Bücherei-Debatte verfolgt, braucht einen langen Atem – und ein gutes Gedächtnis. Bereits 2019 hatten die Bürger beim ersten Bürgerentscheid klar für den Verbleib im Pfleghof und eine Erweiterung in das Nachbargebäude Heugasse 11 gestimmt. Was folgte, war keine zügige Umsetzung, sondern jahrelanges Aussitzen. Ein allseits gelobtes Architektenwettbewerb-Ergebnis lag vor. Doch dann kam der Dezember 2022: Klopfer präsentierte plötzlich eine angebliche „Kostenexplosion“ – von ursprünglich 25 Millionen auf über 60 Millionen Euro. Fachleute zweifelten von Anfang an an diesen Zahlen, doch der Gemeinderat folgte dem OB und verwarf den Beschluss des Bürgerentscheids.

Im Sommer 2023 kam dann der nächste Schwenk: Klopfer schlug vor, die Bücherei ins Kögel-Haus zu verlegen. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme beschloss der Gemeinderat im Juni 2025, das Kögel-Gebäude zu kaufen. Doch die Bürger ließen das nicht einfach so stehen – das Bürgerbegehren kam, und der zweite Bürgerentscheid war unausweichlich.

Zweimal gefragt, zweimal dieselbe Antwort

Das Ergebnis vom 8. März 2026 ist bemerkenswert klar: Zwei Drittel der abstimmenden Esslinger wollen ihre Bücherei im Pfleghof. Nicht im Kögel-Haus. Nicht woanders. Dort, wo sie seit 1989 ist – saniert, modernisiert, erweitert.

Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Jahre, dass die Bürgerschaft denselben Wunsch geäußert hat. Die Frage, die sich stellt: Wie viele Bürgerentscheide braucht Esslingen, bis die Stadtspitze das Ergebnis auch wirklich umsetzt? Und wer trägt die Verantwortung für die Zeit und das Geld, das in der Zwischenzeit verloren gegangen ist?

Hätte man den ersten Bürgerentscheid von 2019 zügig umgesetzt, hätte Esslingen heute längst eine modernisierte Bücherei im Pfleghof – mit erweiterter Fläche durch die Heugasse 11. Stattdessen: Jahre des Stillstands, eine aufwendige Debatte um Kögel, millionenschwere Planungskosten für ein Konzept, das die Bürger nun zum zweiten Mal abgelehnt haben.

Das ist kein Versehen. Das ist ein Muster.